Zeitschrift Bewusstseinswissenschaften. Transpersonale Psychologie und Psychotherapie https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB <p>Die Zeitschrift 'Bewusstseinswissenschaften, Transpersonale Psychologie und Psychotherapie' verbindet Wissen und Traditionen spiritueller Wege mit moderner Psychologie, Psychotherapie und Bewusstseinsforschung. Sie ist unabhängig, schulen-, kultur- und religionsübergreifend. Ihr Ziel ist es Einblick und Überblick in diese Bereiche zu geben, Orientierung und Impulse zu bieten und Beiträge zu liefern zu einer wissenschaftlichen Fundierung der transpersonalen Dimension. Sie will die Diskussion und Vernetzung zwischen verschiedenen Bereichen, Feldern, Strömungen und Schulen im Sinne einer Integration stärken und weiterentwickeln.</p> de-DE info@ab-wissenschaften.de (Thilo Hinterberger) info@ab-wissenschaften.de (Prof. Dr. Thilo Hinterberger) Di, 09 Jun 2026 00:00:00 +0200 OJS 3.1.2.4 http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss 60 Editorial https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB/article/view/324 <p>Liebe Leserinnen und Leser,</p> <p>Bewusstsein ist unser Organ für Verbundenheit. So ließe sich die Funktion dieses wundersamen Phänomens subjektiver Anteilnahme am Leben beschreiben. Dem lebendigen Individuum genügt es nicht, lediglich funktional mit der Außenwelt in Kontakt zu stehen und mit ihr im Austausch zu sein. Es ist ihm gegeben, einen Spiegel dieser Außenwelt in sich zu tragen – den Spiegel des Bewusstseins.</p> <p>Dieses Bewusstsein bildet im Menschen die Grundlage für das Erkennen seiner selbst, für das Erkennen und Erfahren der Mitwelt, für sprachliche Kommunikation und für ein wissenschaftliches Verständnis, das weit über die Grenzen des unmittelbaren Erfahrungsbereichs hinausreicht. Zugleich ist es oft ein geheimnisvolles und abenteuerliches Unterfangen: die Tiefen des eigenen Selbst zu erkunden, das zwischenmenschliche Miteinander kreativ zu gestalten oder sich wissenschaftlich mit diesen Phänomenen auseinanderzusetzen.</p> <p>Vor diesem Hintergrund widmet sich das vorliegende Heft ausgewählten Aspekten unseres bewussten Menschseins und fragt nach den Formen und Bedingungen unserer Verbundenheit mit dem, was wir sind. Den Auftakt bildet das große Mysterium unseres Seins, das wir in unserem Sprachgebrauch „Seele“ nennen – ein Konzept, zu dem viele Kulturen seit Jahrtausenden Vorstellungen entwickelt haben. Birgit Ertl nähert sich diesem Seelenbegriff in fragender und forschender Weise und legt dazu eine kulturübergreifende Übersicht vor.</p> <p>Obwohl die moderne Psychologie den Seelenbegriff weitgehend hinter sich gelassen hat, stehen wir heute erneut vor grundlegenden Fragen. Die Entwicklung künstlicher Intelligenz zeigt uns, dass funktionale mentale Eigenschaften wie Kognition, Sprache und sogar kreative Prozesse bereits von Computern realisiert werden können. Dadurch wird umso deutlicher, dass jene geheimnisvolle Sphäre, die unserem Denken und unserem Bewusstsein zugrunde liegt, aus tieferliegenden Schichten unseres Seins zu emergieren scheint. Möglicherweise eröffnet sich hier ein neuer wissenschaftlicher Zugang zu dem, was einst „Seele“ genannt wurde.</p> <p>Im Beitrag „Intelligenz und Bewusstsein“ wird daher eine zeitgemäße Perspektive auf das Wesen emergierender Intelligenz entfaltet – verstanden als Ergebnis von Vernetzung, Austausch und vielschichtiger Verbundenheit. Ziel ist es, eine Ahnung davon zu vermitteln, welche tieferen Dimensionen das Leben jenseits der sichtbaren Biologie in sich trägt.</p> <p>Diesen eher rationalen Zugang ergänzt Jana Lemke durch die Darstellung ihrer Forschungsarbeiten zu Verbundenheitserfahrungen, die Menschen in der Zurückgezogenheit mit der Natur machen können. Gerade im Rückzug kann sich der Zugang zur Weite des eigenen Bewusstseinsraums öffnen und vertiefen.</p> <p>Im Kontext von Schule und Bildung hingegen sind Menschen häufig einer Überflutung durch Informationen und soziale Anforderungen ausgesetzt. Hier erweist sich das bewusste Einbeziehen des inneren Bewusstseinsraums als besonders hilfreich. Aus einem reichen Erfahrungsschatz berichtet darüber Vera Kaltwasser in ihrem Beitrag zur Achtsamkeit im Bildungsbereich.</p> <p>Eine weitere Möglichkeit der Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis stellen Bettina Fischbach und Sandra Rao-Dietrich vor: das Sozialtherapeutische Rollenspiel. Diese vielseitige Methode umfasst eine Sammlung von Spielen und interaktiven Erfahrungsprozessen, die insbesondere in der Arbeit mit Gruppen in unterschiedlichen Kontexten klärend und verbindend wirken können.</p> <p>Zum Abschluss wird eine möglicherweise provokante These einer mehrschichtigen Kränkungswelle durch die technologischen Entwicklungen formuliert, die jedoch als Ermutigung verstanden sein möchte: Selbst wenn Computer und Maschinen künftig wesentliche menschliche Eigenschaften realisieren, berührt dies nicht die Würde des Menschseins. Denn diese gründet vielmehr in der tiefen Verwobenheit von Geist und Bewusstsein mit dem Lebensurgrund als einem größeren Ganzen.</p> <p>Alle diese Beiträge berühren auf unterschiedliche Weise die Essenz unseres Seins. Sie laden dazu ein, über die Weite des Menschseins zu meditieren und neue Perspektiven auf Bewusstsein, Verbundenheit und Erkenntnis zu eröffnen.</p> <p>Wir wünschen Ihnen eine erkenntnisreiche und inspirierende Lesezeit.</p> <p><em>Thilo Hinterberger und Nike Walter</em></p> Thilo Hinterberger, Nike Walter Copyright (c) https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB/article/view/324 Mo, 01 Jun 2026 00:00:00 +0200 Was stellen wir uns unter einer Seele vor? https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB/article/view/315 <p>Auf der ganzen Welt, sozusagen in jedem Winkel der Erde wird und wurde wohl schon immer die Idee von einer Seele gepflegt. Auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen. In praktisch allen Kulturen gab und gibt es die Vorstellung, dass der Mensch eine Seele hat. Und fast immer und überall bedeutet der Glaube an eine Seele, dass es sich dabei um einen Teil des Menschen handelt, der sein körperliches Dasein überlebt. Nach dem Wie und Wo wird hier gefragt und es werden viele Antworten gefunden.</p> <p>In diesem Artikel begibt sich die Autorin auf die Suche nach der Seele, indem bei möglichst vielen Kulturen und größeren Religionen hinterfragt wird, was dort als Seele wahrgenommen und beschrieben wurde bzw. wird. Dies ist die Kurzfassung des ursprünglich 78 Seiten umfassenden Manuskriptes (das bei der Autorin bei Interesse gerne angefordert werden kann).</p> Birgit Ertl Copyright (c) 2026 Birgit Ertl https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB/article/view/315 Di, 09 Jun 2026 13:40:31 +0200 Intelligenz und Bewusstsein https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB/article/view/312 <p>Während unsere geistigen Fähigkeiten menschlicher Intelligenz auf der Gegenwärtigkeit des Bewusstseins aufbauen, lehrt uns die Entwicklung der computer-generierten künstlichen Intelligenz (KI), dass Intelligenz von der Ebene des Bewusstseins losgelöst existieren kann. Ebenso erkennen wir derzeit das Potenzial vernetzter Systeme, die Träger von Wissen, Intelligenz und schöpferischer Kreativität sein können. Erweitert man die Idee der neuronalen Netze auf andere vernetzte Systeme mit molekularen oder elementaren Austauschprozessen wie sie in vielen biologischen Organismen wie beispielsweise in Zellen eine Rolle spielen, dann lassen sich auch hier intelligente Systeme erahnen, durch die die Phänomene der Selbstorganisation bzw. die Lebenstätigkeit im Lebendigen erklärbar sein könnten. Damit ergeben sich drei Arten von Intelligenz, die wir unterscheiden sollten: Die natürlich, die neuronale und die künstliche Intelligenz. Für jede dieser Arten von Intelligenz stellt sich die Frage nach einem (möglichen) Bewusstsein als endoperspektivische Dimension eines exosystemisch intelligent wirkenden Systems. Und obwohl wir mit unserem neuronalen Bewusstsein kaum in Ebene der natürlichen Vorgänge hineinblicken können, wird uns dennoch das Staunen über die unendlich komplexe Vielfalt und geheimnisvolle Intelligenz unseres Lebens möglich.</p> Thilo Hinterberger Copyright (c) 2026 Thilo Hinterberger https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB/article/view/312 Di, 09 Jun 2026 14:46:27 +0200 Verbundenheitserfahrungen mit der Natur https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB/article/view/326 <p>Unsere gegenwärtige Umweltkrise verdeutlicht die Notwendigkeit, sowohl das menschliche Naturbewusstsein als auch das konkrete Verhalten gegenüber der Umwelt zu verändern. Die vorliegende Mixed-Methods-Studie untersucht einen Ansatz, dieser Herausforderung durch angeleitete Solozeiten in der Wildnis zu begegnen. Solozeit ist eine alte, ritualisierte und kulturübergreifende Praxis des Alleinseins in der Natur, die wieder vermehrt in unserer heutigen Zeit Einzug findet. Im Fokus der Studie stehen die Phänomenologie der Solozeiten junger Erwachsener sowie die Untersuchung der langfristigen Auswirkungen dieser Erfahrungen auf ihre persönliche Entwicklung, ihre Beziehung zur Natur, ihr gesellschaftliches Engagement und ihr ökologisches Verhalten. Die Forschungsarbeit befasst sich jedoch nicht nur mit dem Untersuchungsgegenstand, sondern auch mit der Art und Weise, wie Forschung betrieben wird. Auf methodischer Ebene werden eine erweiterte Weltanschauung sowie eine entsprechende Methodologie erkundet und integriert. Dies zeigt sich unter anderem in der Arbeit mit den Träumen der Teilnehmenden als Datenquelle sowie in der Einbeziehung unterschiedlicher Erkenntniswege im Sinne eines erweiterten Validitätsverständnisses. Zudem werden die eigenen Erfahrungen und Selbstreflexionen der Forschenden als parallele Perspektive in die Ergebnisse integriert. Auf diese Weise thematisiert die Arbeit nicht nur die zunehmende Entfremdung des Menschen von der Natur, sondern hinterfragt zugleich konventionelle Forschungspraxen und ihre Tendenz, komplexe Zusammenhänge in isolierte Einzelteile zu zerlegen.</p> Jana Lembke Copyright (c) Jana Lembke https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB/article/view/326 Mo, 01 Jun 2026 00:00:00 +0200 Den inneren Raum erkunden https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB/article/view/314 <p>Angesichts der zunehmenden Virtualisierung der Lebenswelt und der vielfältigen Anforderungen an Kinder und Jugendliche bedarf es zunehmend pädagogischer Interventionen, welche die Fähigkeiten des Selbstregulation und Beziehungsfähigkeit vermitteln. Eine besondere Rolle kommt hier der Körper- und Erfahrungsorientierung zu. Eine kontinuierliche Schulung der Selbstwahrnehmung und es zwischenmenschlichen Raumes kann junge Menschen befähigen, bewusst mit sich und der Welt umzugehen.</p> Vera Kaltwasser Copyright (c) 2026 Vera Kaltwasser https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB/article/view/314 Di, 09 Jun 2026 14:58:34 +0200 Das Sozialtherapeutische Rollenspiel (STR) nach Adelheid Stein als ressourcen- und bewusstseinsorientierte Gruppenmethode https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB/article/view/327 <p>Das Sozialtherapeutische Rollenspiel (STR) nach Adelheid Stein wird als ressourcen- und bewusstseinsorientierte Gruppenmethode beschrieben, die Entwicklungsprozesse nicht über Instruktion oder Analyse, sondern über Erfahrung, Handlung und soziale Resonanz anregt. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass rein kognitiv ausgerichtete Verfahren bei Fragen der Selbstwahrnehmung, Identitätsentwicklung und sozialen Orientierung häufig an ihre Grenzen stoßen. Das STR eröffnet einen geschützten Erfahrungsraum, in dem Teilnehmende durch Rollen, Bilder und Spielszenen innere Haltungen, Gefühle und Beziehungsmuster handelnd erleben können. Fühlen, Denken und Handeln sind dabei gleichermaßen beteiligt. Zentrale Merkmale der Methode sind die konsequente Ressourcenorientierung, der Gruppenprozess als Resonanzraum sowie eine bewusst zurückhaltende, nicht-deutende Haltung der Spielleitung. Anhand eines Praxisbeispiels aus der schulischen Berufsorientierung wird deutlich, dass das STR insbesondere Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit, soziale Kompetenz und intrinsische Motivation fördern kann. Berufsorientierung wird dabei als bewusstseinsbildender Entwicklungsprozess verstanden und nicht als rein entscheidungsorientierte Aufgabe. Insgesamt zeigt sich das STR als vielseitig einsetzbare Gruppenmethode an der Schnittstelle von Sozialer Arbeit, Pädagogik und bewusstseinsorientierter Entwicklungsarbeit.</p> Bettina Fischbach, Sandra Rao-Dietrich Copyright (c) https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB/article/view/327 Mo, 01 Jun 2026 00:00:00 +0200 Die 7 narzisstischen Kränkungen der Menschheit https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB/article/view/313 <p>Nicht selten liegt im Menschen ein gewisser Stolz und auch eine Hybris, wenn er sich durch seine Macht und Fähigkeiten als Krone der Schöpfung empfindet. Dies tritt insbesondere dann zutage, wenn diese Sonderrolle durch eine Erkenntnis oder Entwicklung infrage gestellt wird. Daraus kann leicht eine narzisstische Kränkung entstehen, die im Zuge ihrer Verarbeitung zu vielerlei Konflikten führt. Bereits Sigmund Freud hat das erkannt und daraus drei narzisstische Kränkungen der Menschheit beschrieben: Die kosmologische, die biologische und die psychologische Kränkung. Mit dem Aufkommen der künstlichen Intelligenz wird der breiten Menschheit vorgeführt, wie Intelligenz in sprachlicher Eloquenz und schöpferischer Genialität von Maschinen geleistet werden kann. Dies führt ebenfalls zu solchen narzisstischen Kränkungen, wie viele emotionalen Auseinandersetzungen um das Thema KI vermuten lassen. Hier seien mindestens vier zusätzliche Kränkungen beschrieben: die intellektuelle, die emotionale, die kreative Kränkung und die Kränkung des freien Willens. Auf eine achte Kränkung, welche durch den Beleg der Möglichkeit einer subjektiven Bewusstseinssphäre in KI—Agenten hervorgerufen würde, warten wir noch. Als Lösung schlage ich für ein würdiges Menschsein eine entsprechend demutsvolle Haltung vor, die den bewussten, intelligenten Menschen als Teilhabenden an dem großen, tiefen Wunder des Lebens zu betrachten weiß. Die Entwicklung der KI könnte sogar hilfreich sein, über diese Kränkungen uns Menschen zu einem achtsameren Umgang mit dem Leben zu führen.</p> Thilo Hinterberger Copyright (c) 2026 Thilo Hinterberger https://www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de/index.php/ZfB/article/view/313 Di, 09 Jun 2026 15:10:49 +0200