Verbundenheitserfahrungen mit der Natur
Ergebnisse eines partizipativen multiperspektivischen Forschungsansatzes
Zusammenfassung
Unsere gegenwärtige Umweltkrise verdeutlicht die Notwendigkeit, sowohl das menschliche Naturbewusstsein als auch das konkrete Verhalten gegenüber der Umwelt zu verändern. Die vorliegende Mixed-Methods-Studie untersucht einen Ansatz, dieser Herausforderung durch angeleitete Solozeiten in der Wildnis zu begegnen. Solozeit ist eine alte, ritualisierte und kulturübergreifende Praxis des Alleinseins in der Natur, die wieder vermehrt in unserer heutigen Zeit Einzug findet. Im Fokus der Studie stehen die Phänomenologie der Solozeiten junger Erwachsener sowie die Untersuchung der langfristigen Auswirkungen dieser Erfahrungen auf ihre persönliche Entwicklung, ihre Beziehung zur Natur, ihr gesellschaftliches Engagement und ihr ökologisches Verhalten. Die Forschungsarbeit befasst sich jedoch nicht nur mit dem Untersuchungsgegenstand, sondern auch mit der Art und Weise, wie Forschung betrieben wird. Auf methodischer Ebene werden eine erweiterte Weltanschauung sowie eine entsprechende Methodologie erkundet und integriert. Dies zeigt sich unter anderem in der Arbeit mit den Träumen der Teilnehmenden als Datenquelle sowie in der Einbeziehung unterschiedlicher Erkenntniswege im Sinne eines erweiterten Validitätsverständnisses. Zudem werden die eigenen Erfahrungen und Selbstreflexionen der Forschenden als parallele Perspektive in die Ergebnisse integriert. Auf diese Weise thematisiert die Arbeit nicht nur die zunehmende Entfremdung des Menschen von der Natur, sondern hinterfragt zugleich konventionelle Forschungspraxen und ihre Tendenz, komplexe Zusammenhänge in isolierte Einzelteile zu zerlegen.
